Nur wenige Themen werden so emotional und heiß diskutiert wie die Frage danach ob wir ein generelles Tempolimit auf deutschen Straßen und Autobahnen einführen sollten. Während die Einen es klar befürworten würden, oft des Umweltschutzes wegen, sind die Anderen strikt dagegen und argumentieren mit Freiheit und Selbstbestimmung. Und ich sage es gleich vorweg, wir werden hier nicht auf ein klares ja oder nein kommen. Das Thema ist äußerst komplex und beide Lager haben durchaus plausible Argumente. Dennoch wollen wir das Thema hier ein wenig genauer beleuchten. Gehen wir also auf die einzelnen Gesichtspunkte ein und prüfen was bei unserer Gleichung unterm Strich übrig bleibt.
Geschichte der freien Fahrt
Als in den 1930er Jahren die ersten Autobahnen gebaut wurden, gab es noch sehr wenige Autos. Und die wenigen, die unterwegs waren, waren auch noch lange nicht so schnell wie unsere heutigen Fahrzeuge. Von daher gab die Überlegung, von vorne herein ein Tempolimit festzulegen, überhaupt keinen Sinn. Es ging ja immerhin darum sein Ziel schnell zu erreichen.
In den darauf folgenden Jahren wurden Autos immer schneller und schneller. Die automobile Entwicklung schritt voran und mit ihr stiegen auch die Unfallzahlen mit tödlichen Folgen. Das führte dazu dass unsere Nachbarländer nach und nach dazu über gingen die Höchstgeschwindigkeit auf den Schnellstraßen und Autobahnen zu limitieren. Auch in Deutschland wurde in den 1950er Jahren erstmals ein solches Schnellfahrverbot diskutiert. Nur wird seither in Deutschland auch sehr viel Lobbyarbeit betrieben.
Wir waren über viele Jahrzehnte hinweg Autonation Nummer Eins und Deutschland war in der ganzen Welt für seine teuren, hochwertigen und vor allem auch schnellen Autos bekannt. Und schnelle Autos machen nur dann Sinn, wenn man auch schnell fahren darf. Hier ging es immer um wirtschaftliche Interessen, die freie Geschwindigkeitswahl war ein Verkaufsargument für schnelle Autos, und so blieb es in Deutschland dabei. Zwar wurde 1973, während der Ölkrise, kurzzeitig Höchstgeschwindigkeit 100km/h eingeführt, aber danach direkt wieder aufgehoben. Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen könnte sich nie durchsetzen.
Argumente der Befürworter
Die Schreie nach einen generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen sind laut. Sehen wir uns also mal genauer an was die Befürworter dazu zu sagen haben:
Ökologischer Aspekt
Fangen wir direkt mal mit dem „Totschlags-Argument“ für das Tempolimit an, dem ökologischen Aspekt.
Das Gesetz der kinetischen Energie beschreibt das Phänomen, das zur Verdoppelung der Geschwindigkeit die vierfache Energiemenge erforderlich ist. Dieses Gesetz folgt direkt aus den Prinzipien der klassischen Mechanik und ist eine Folge der Newtonschen Gesetze. Und es ist nun mal eine unumstößliche Tatsache das wir damit im gleichen Maßstab auch den Schadstoffausstoß erhöhen. Was vorne rein geht, kommt hinten auch wieder raus. Da liegt es nur nahe, das wir mit einer Verringerung der Geschwindigkeit auch CO2 einsparen, oder etwas nicht?
Einige Forschungsinstitute gehen davon aus das wir mit generellem Tempo 120 auf den Autobahnen bis zu 18% Treibstoff und Schadstoffe einsparen könnten. Hier stützt man sich gerne auf das Tempolimit während der Ölkrise 1973. Aber wie sagt man so schön, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. In diesen Studien wird oft davon ausgegangen das alle Pkw mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 160km/h unterwegs wären. Die Realität sieht heute jedoch, anders als noch ’73, anders aus.
Tatsächlich ist auch heute schon ein Großteil der Autofahrer kaum mehr schneller als mit 130km/h unterwegs. Von unseren rund 13.210km Autobahn sind auch heute schon rund 30% generell in der Geschwindigkeit beschränkt. Dazu kommen automatische Verkehrbeeinflussungsanlagen (VBA) in fast allen Ballungsräumen und ca. 10-15% auf denen aktuell gebaut wird. Und die wenigen Teilabschnitte, auf denen noch ungehemmt beschleunigt werden darf, sind oft so überfüllt das außer kurze Sprints kaum noch durchgehend schnell gefahren werden kann. Davon abgesehen sind Diese selten über längere Strecken durchgehend, sondern immer nur auf kurze Teilabschnitte von wenigen Kilometern aufgeteilt.
Auch sind heute nur noch rund 5-10% der Fahrzeuge deutlich schneller als mit 130km/h unterwegs. Die meisten rollen einfach mit der gesamten Blechlawine dahin. Daher gibt es auch andere Studien, welche das Einsparpotential eines solchen generellen Tempolimits eher im niedrigen einstelligen Prozentbereich sehen.
Doch wie hoch die Einsparung auch immer sein mag, für das Klima würde es keinen Unterschied machen, selbst wenn wir die private Automobilität komplett, auf der ganzen Welt, abschaffen würden. Das Klima war nie stabil und befindet sich im stetigen Wandel seit Entstehung der Erde. Wir haben den Wandel vielleicht nur ein wenig beschleunigt. Aufhalten, oder gar zurück wandeln, werden wir ihn ohnehin nicht können.
Sicherheit
Ein weiteres Argument für das Tempolimit ist die Sicherheit. Mit steigender Geschwindigkeit könnten wir leichter die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren.
Statista hat dazu eine interessante Infografik erstellt, welche die Anzahl der Verkehrstoten auf Autobahnen im Jahr 2022 europaweit gegenüber stellt:

Interessanterweise liegt Deutschland hier genau im Mittelfeld, obwohl wir das einzige Land ohne generelles Tempolimit sind. Die Spitze führt Belgien an, mit fast doppelt so vielen Toten bei nur knapp über 10% der Größe Deutschlands und Tempo 120. Wohlgemerkt, Belgien hat nur 1763 Autobahnkilometer, nicht wie wir 13210.
Auch interessant ist das Schweden kaum Unfälle mit Todesfolge zu verzeichnen hat, obwohl es um ein Vielfaches großer ist. Sind Schweden wirklich so viel bessere Autofahrer? Wohl eher nicht. Hier gilt, ebenso wie in Belgien, Tempo 120. Der Unterschied ist das die Einhaltung der Verkehrsregeln in Schweden sehr viel ernster genommen wird. Die Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen sind um ein Vielfaches höher als bei uns und es drohen auch schnell mal mehrere Monate Fahrverbot für paar km/h zu schnell.
Das soll allerdings nicht heißen das zu schnelles Fahren ungefährlich wäre. 2018 sind laut dem statistischen Bundesamt 424 Menschen auf deutschen Autobahnen ums Leben gekommen. Zu schnelles Fahren war bei 196 davon mit verantwortlich. Das sind immerhin 46%. Sieht man sich nun aber die Verteilung an, wie viele davon auf Teilabschnitte mit Tempolimit fallen, sind das eben ziemlich genau 30%. Das entspricht auch dem Prozentsatz der heute schon geschwindigkeitsbeschränkten Autobahnkilometer. Somit ist defacto kein Unterschied feststellbar zwischen beschränkt und frei befahrbaren Streckenabschnitten.
Tatsächlich kann man allerdings sagen, die Straßen waren in den letzten 50 Jahren nie so sicher wie heute. Bis in die 1970er Jahre gingen die Unfallzahlen mit Todesfolge von Jahr zu Jahr rauf. Doch dann flachte die Kurve plötzlich ab und die Zahlen begannen sogar sich, bis zum heutigen Tag, rückläufig zu entwickeln. Was ist da passiert?
Wurden bis dahin die Autos immer nur schneller, fingen die Hersteller nun an auf die Sicherheit der Insassen großen Wert zu legen. Der Sicherheitsgurt wurde erfunden und die Anschnallpflicht wurde eingeführt. Die Sicherheitslenksäule wurde entwickelt und verhinderte dass das Lenkrad beim Unfall einem ins Gesicht schlug. Knautschzonen verringerten die Intensität des Aufpralls. Airbag und Gurtstraffer wurden eingeführt. ABS, ESP und ASR setzten sich durch, hielten das Fahrzeug auch in extremen Fahrsituationen stabil auf der Fahrbahn. und wurden teilweise ab der Jahrtausendwende sogar Pflicht. Heute unterstützen uns Front- und Seitenradar, Totwinkelwarner, Bremsassistent, Geschwindigkeitswarner und viele weitere aktive Assistenzsysteme beim Fahren. Seit vergangenem Jahr ist sogar schon die Schilder- und Geschwindigkeitserkennung, sowie der Geschwindigkeitswarner, zwingende Grundvoraussetzung für eine Typengenehmigung neuer Fahrzeuge.
In Zukunft werden wir mehr und mehr das Steuer ganz aus der Hand geben und der Elektronik das Fahren überlassen. Auch wenn die Technik jetzt noch in den Kinderschuhen der Entwicklung steckt und viele Fehler macht, sie wird sich weiter entwickeln und uns irgendwann den Mensch als Piloten des Automobils ablösen. Die Reaktionszeit von Microcontrollern ist einfach unschlagbar schnell und sie können haufenweise Eingangssignale gleichzeitig verarbeiten. So lässt sich das gesamte Umfeld auf einmal erfassen und blitzschnell reagieren, da kommt unser menschliches Gehirn einfach nicht mehr mit.
Wir können feststellen dass es nicht das Tempolimit ist, welches für Sicherheit sorgt, sondern eher die Strafen bei Zuwiderhandlung und rücksichtslosen Fahren, sowie das Voranschreiten modernster Technik und aktiver Sicherheitssysteme.
Wollen wir die Straßen sicherer machen, dann müssen wir die Entwicklung der aktiven Assistenzsysteme weiter voran treiben und rücksichtsloses Fahrverhalten, sowie überhöhte Geschwindigkeiten in Bereichen die aus Sicherheitsgründen ohnehin schon eingeschränkt sind, härter und konsequenter bestrafen. Denn was nützt schon ein generelles Tempolimit, wenn sich auch heute schon Einige nicht mal an die bereits bestehenden Tempolimits halten? Wenn Bußgelder wegen Überschreitung bereits in die laufenden Kfz-Kosten einkalkuliert werden? Dagegen hilft auch kein generelles Tempolimit auf Autobahnen.
Weniger Staus
Gut, wenn es schon nicht sichrer durch ein generelles Tempolimit wird, wie verhält es sich dann mit dem Verkehrsfluss?
Untersuchungen haben gezeigt, das es bei einer einheitlichen Geschwindigkeit auf Autobahnen tatsächlich zu verminderter Staugefahr kommt. Das liegt vor allem daran das alle Verkehrsteilnehmer mehr oder minder die selbe Geschwindigkeit fahren. Dadurch wird abruptes Abbremsen und starkes Beschleunigen vermieden. Auch ist die Kapazität der Autobahn, also die Anzahl an Autos welche zur gleichen Zeit einen Autobahnkilometer befahren können, bei 120 bis 130km/h am größten. Allerdings benötigt ein Auto bei niedrigerer Geschwindigkeit auch mehr Zeit um einen gewissen Abschnitt zu durchfahren. Das relativiert das ganze schon wieder ein wenig.
Auch haben wir bereits festgestellt das bereits heute ca. 90-95% der Autos mit 130km/h unterwegs sind. Außerdem treten die meisten Staus an Baustelleneinfahrten oder zu Stoßzeiten in Ballungszentren auf. Gegen das Hindernis einer Baustelle hilft auch kein vorheriges Tempolimit und in Ballungszentren wird der Verkehr schon jetzt überwiegend automatisch in der Geschwindigkeit, je nach Verkehrsdichte, geregelt. Dementsprechend würde ein generelles Tempolimit auf den verbleibenden Strecken höchstens an paar wenigen Tagen im Jahr einen Unterschied machen, zum Beispiel zu Beginn und Ende von Ferienzeiten. Das restliche Jahr über hätte man recht wenig davon.
Entspannteres Fahren
Wer schonmal in Ausland war und zurück nach Deutschland kommt, merkt schnell schon hinter der Grenze: Auf deutschen Autobahnen herrscht Krieg.
Fährt man weiter mit Richtgeschwindigkeit, während man bei einem LKW zum überholen ansetzt, hat man nicht selten jemanden hinter sich der bereits von Weitem mit Lichthupe auf sich aufmerksam macht und dann mit Blinker links fast auf der Stoßstange hängt.
Doch würde so ein Verhalten wirklich weniger werden, hätte man ein generelles Tempolimit? Auch heute schon ist eine solch rücksichtlose Fahrweise bereits strafbar. Und auch heute schon interessiert es die entsprechenden Fahrer wenig. Sie rasen, drängen, hupen, beleidigen, usw… Die rechtlichen Konsequenzen sind denen egal, denn die Strafen sind doch recht überschaubar. Was uns zurück zum Punkt Sicherheit bringt. Hier müsste der Gesetzgeber härter durchgreifen. Ein generelles Tempolimit bringt da herzlich wenig.
Weniger Lärm
Stimmt, die Autobahn wäre leiser. Allerdings nur da wo es ohnehin kaum jemand mit bekommt, denn in Ballungszentren und städtischen Raum ist die Geschwindigkeit, aus genau diesem Grund, sowieso schon beschränkt.
„Ja, aber die Natur…“ – Machen wir uns doch nichts vor, Natur und Autobahnen passen einfach nicht zusammen. Und dabei ist es auch egal wie schnell darauf gefahren werden darf. Für den neben der Fahrbahn liegenden Wald wäre auch „halb so laut“ immer noch zu laut. Und ein gefährlicher Einschnitt in die Natur ist die Fahrbahn ohnehin, egal bei welcher Geschwindigkeit.
Den Punkt „Lärm“ können wir wohl ganz schnell abhaken. Außer ein paar Landwirten und „Einsiedlern“, die paar hundert Meter ländlich von Autobahnen entfernt leben, würde wohl kaum jemand einen Unterschied merken. Für über 99% der Deutschen würde sich nichts merkbar ändern.
Argumente der Gegner
Nun, da uns so langsam die Argumente der Befürworter ausgehen, schauen wir mal was die Gegner zu sagen haben.
Freiheit und Selbstbestimmung
Das Hauptargument der Gegner, jeder Autofahrer soll selbst entscheiden dürfen welche Geschwindigkeit er oder sie für sicher hält.
Die Sache hat nur einen Haken: Menschen sind unterschiedlich und schätzen Gefahren daher auch absolut unterschiedlich ein. Das ist halt das Problem mit der Subjektivität. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen mit ein und Urteilt daher ganz individuell. Die Kräfte, welche die Reifen auf die Fahrbahn übertragen können, sind jedoch nicht individuell. Hier liegen einfache, physikalische Gegebenheiten zu Grunde und die Grenzen sind klar definiert. Egal wie gut der Fahrer ist, er wird die Physik nicht aushebeln können.
Es gibt da auch bereits eine politische Bewegung die ebenso nach Freiheit und Selbstbestimmung, so wie einem Leben ohne Kontrollen schreit. Kleiner Hinweis:
„Keine Soldaten, keine Polizei, wir wollen leben ganz friedlich und ganz frei…“ (Wizo, deutsche Punkrockband)
Doch was tatsächlich ohne staatliche Kontrolle passiert, ist Anarchie. Auch wenn diese von der Punk-Szene gerne als eine schöne neue Weltordnung gesehen wird, wo alle friedlich zusammen leben und sich gern haben, sieht sie Realität anders aus.
Als im Irak Saddam Hussein gestürzt wurde, stürzte das Land in eine Art Anarchie, da es keine politische Führung mehr gab. Doch war das dann das „gelobte Land“, in dem sich alle „lieb“ hatten und Frieden herrschte? Nicht wirklich: Niemand war mehr sicher. Jeder handelte zu deinen Vorteil ohne Rücksicht auf Verluste anderer. Es herrschte Chaos und Gewalt. Das Problem bei uns Menschen ist, wir sehen uns gerne als friedliebende, freundliche und vernünftige Spezies. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Unser Selbstbild täuscht uns. Wir sind höchst aggressiv, territorial und kriegerisch. Wir schaffen es nicht einmal friedlich mit unseren Nachbarn zusammen zu leben und streiten uns über Hecken und Büsche, die zu weit über die Grenze wuchern.
In Wahrheit ist ein halbwegs friedliches Zusammenleben nur durch ein klar definiertes Regelwerk möglich, welches uns unsere Grenzen aufzeigt.
Und ebenso verhält es sich mit den Autobahnen. Wäre überall freie Fahrt möglich, würden viele von uns sich zu Tode fahren, da sie Gefahren falsch einschätzen. Daher machen Geschwindigkeitslimits durchaus Sinn. Allerdings haben wir im Punkt „Sicherheit“ bereits festgestellt und klar mit Statistiken belegt, das es auf den restlichen Autobahnkilometern wohl kaum einen Unterschied machen würde.
Wirtschaftliche Nachteile
Gerne wird damit argumentiert das auf Geschwindigkeit beschränkten Autobahnen Handelsreisende, Handwerker, sowie die Güterlogistik längere Fahrzeiten haben und daher wirtschaftlich benachteiligt würden. Doch stimmt das wirklich?
Tatsächlich ist der Warentransport bereits heute größtenteils auf 80km/h beschränkt, denn dieses Tempolimit gilt für alles über 3,5t zulässigem Gesamtgewicht.
Auch Transporter von Handwerkern sind oft nicht viel schneller unterwegs als mit 130km/h. Einzig Dienstreise könnten zumindest schneller fahren. Doch wer Tag für Tag auf den Autobahnen unterwegs ist, schaltet oft lieber den Tempomat bei 130km/h ein, denn so rollt man einfach entspannter dahin. Gerade hier setzen sich vermehrt aktive Assistenzsysteme, wie der Autobahnassistent durch, wo der Fahrer heute schon sogar die Hände von Lenkrad nehmen kann und nur noch die ordnungsgemäße Funktion des Systems überwachen muss, sowie in Notfällen einzugreifen hat.
Autobahnen sind bereits sicher
Gelegentlich wird angeführt das Autobahnen, trotz höherer Geschwindigkeit, eine geringere Unfallquote als Landstraßen haben.
Der Vergleich hinkt allerdings ein wenig. Es ist ein wenig wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Landstraßen sind viel unübersichtlicher, haben Kreuzungen mit Querverkehr, scharfe Kurven, wenig Leitplanken, Gräben und Bäume am Seitenrand, sind schmaler, usw… Das ist ja auch der Grund das die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen Außerorts bereits auf maximal 100km/h beschränkt ist.
Den Punkt Sicherheit haben wir bereits hinreichend behandelt. Belassen wir es dabei.
Auf den Punkt gebracht
Auch wenn die Argumente der Befürworter in Anzahl überwiegen, konnten wir feststellen das man das Meiste davon wohl entkräftigen kann. Allerdings sind die Argumente der Gegner noch erheblich schwächer und zielen zudem oft nur auf persönliche Interessen ab. Nüchtern betrachtet kann man feststellen das auf beiden Seiten sehr viele Emotionen hoch kochen, doch der wirkliche Nutzen eines generellen Tempolimits kaum feststellbar wäre. Dem gegenüber stünde ein hoher Aufwand dieses um- und durchzusetzen.
Die Frage nach einem Geschwindigkeitslimit auf Autobahnen ist schon über 70 Jahre alt; weit älter also als die Meisten von uns. Immer wieder wurde es heiß diskutiert und doch blieb alles beim Alten.
Solange die Automobilindustrie in Deutschland auch noch ein starkes wirtschaftliches Interesse daran hat schnelle Autos zu verkaufen, wird sich daran wohl ohnehin nichts ändern. Doch die deutsche Automobilindustrie ist bekanntlich gerade dabei sich selbst abzuschaffen. Längst haben uns fernöstliche Autohersteller in der Motorenentwicklung überholt. VW will nur noch Elektroautos bauen, obwohl ihnen die Kernkompetenz in der Akkutechnologie fehlt. BMW wollte jahrelang am liebsten nur noch kleine 3-Zylinder bauen und Mercedes konnte sich nach langem Ringen dazu überwinden wieder einen Verbrenner zu entwickeln der nun in China gebaut werden soll.
Automobilstandort Deutschland, das war einmal die deutsche Automobilindustrie liegt am Boden und trocknet langsam aus. Immer mehr deutsche Zulieferer gehen in die Insolvenz und die Hersteller wandern nach und nach ins Ausland ab, da der Produktionsstandort Deutschland zunehmend an Attraktivität verliert.
Da nun auch noch vermehrt Elektrofahrzeuge auf den Markt drängen, die auf 130km/h limitiert sind, hat sich die Frage nach einem generellen Tempolimit wohl bald auch erledigt. Wenn niemand mehr schneller fahren kann und Fahrer zudem vermehrt von Assistenzsystemen abgelöst werden, dann braucht man irgendwann auch kein generelles Tempolimit mehr.
Die Debatte wird still sterben – durch Technik, nicht Politik:
Die nächste Generation wird sich wahrscheinlich wundern, warum das jemals ein so großes Thema war. Denn die Frage ist weniger ob ein Tempolimit kommt, sondern eher, wann die Technik den Fahrstil der Menschen ohnehin automatisch drosselt. Und wenn 80 % der Autos sowieso nicht mehr schneller als 130 km/h fahren können, wird es irgendwann auch niemanden mehr stören, dass es gesetzlich festgelegt wird.
„Tempolimit? Die Debatte stirbt nicht im Bundestag – sondern im Steuergerät deines nächsten E-Autos.“
Lasst mich wissen was ihr von dem Thema haltet.