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Bremsflüssigkeit ist ein essenzieller Bestandteil hydraulischer Bremssysteme. Sie überträgt die Bremskraft vom Pedal auf die Bremsen und sorgt für eine zuverlässige Verzögerung des Fahrzeugs. Dabei muss sie extremen Bedingungen standhalten, insbesondere hohen Temperaturen und Druckveränderungen.
Aufgaben und Funktionsweise der Bremsflüssigkeit
Bremsflüssigkeit dient als Übertragungsmedium im hydraulischen Bremssystem. Wenn das Bremspedal betätigt wird, erzeugt der Hauptbremszylinder einen hydraulischen Druck, der über die Bremsleitungen auf die Radbremszylinder oder Bremssättel übertragen wird.
Da Flüssigkeiten kaum kompressibel sind, ermöglicht dies eine direkte und gleichmäßige Kraftübertragung – ein entscheidender Vorteil gegenüber mechanischen oder pneumatischen Bremssystemen.
Zudem ergibt sich durch den Größenunterschied zwischen zwischen dem Kolbendurchmesser vom Hauptbremszylinder und der Randbremszylinder ein Übersetzungsverhältnis wodurch der Bremsdruck verstärkt oder gezielt in einem vorgesehenen Verhältnis aufgeteilt werden kann.
Wichtige Anforderungen an Bremsflüssigkeit:
✔ Hoher Siedepunkt – Verhindert Dampfblasenbildung bei hohen Temperaturen.
✔ Niedrige Viskosität – Sichert gute Fließeigenschaften, insbesondere bei Kälte.
✔ Korrosionsschutz – Schützt Bremsleitungen, Dichtungen und Zylinder.
✔ Geringe Hygroskopie – Minimiert Wasseraufnahme, die den Siedepunkt senken könnte.
Arten von Bremsflüssigkeiten
Bremsflüssigkeiten werden in verschiedene Spezifikationen eingeteilt, die vom US-Verkehrsministerium (DOT – Department of Transportation) festgelegt wurden. Die wichtigsten Standards sind:
Glykol-basierte Bremsflüssigkeiten (DOT 3, DOT 4, DOT 5.1)
- Am häufigsten in modernen Fahrzeugen verwendet
- Hygroskopisch: Nimmt Wasser aus der Umgebung auf, was mit der Zeit den Siedepunkt senkt
- Nicht mischbar mit DOT 5 (Silikon-basiert)
Silikon-basierte Bremsflüssigkeit (DOT 5)
- Hydrophob (nimmt kein Wasser auf), wodurch der Siedepunkt langfristig stabil bleibt
- Nicht mit DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1 mischbar
- Wird hauptsächlich in Oldtimern und militärischen Fahrzeugen eingesetzt
- Kann in ABS-Systemen problematisch sein, da es zur Schaumbildung neigt
Hygroskopie und der Einfluss auf die Bremsleistung
Die meisten Bremsflüssigkeiten (DOT 3, DOT 4, DOT 5.1) sind hygroskopisch, d. h., sie nehmen mit der Zeit Wasser aus der Luft auf. Dadurch sinkt der Siedepunkt, was die Gefahr der Dampfblasenbildung im Bremssystem erhöht.
Warum ist das problematisch?
Wenn die Bremsflüssigkeit überhitzt und verdampft, entstehen Dampfblasen, die sich komprimieren lassen. Das führt dazu, dass das Bremspedal weich wird oder sogar durchfällt, wodurch das Fahrzeug nicht mehr zuverlässig verzögert.
Um dies zu verhindern, ist ein regelmäßiger Wechsel der Bremsflüssigkeit erforderlich.
Warum ist das gewollt?
Dadurch daß die Bremsflüssigkeit sich mit dem Wasser Verbindet kann in das hydraulische Bremssystem eingedrungene Wasser besser nachgewiesen und entfernt werden.
Würde das Wasser sich nicht mit der Flüssigkeit verbinden, könnte sich ein Wassertropfen im Randbremszylinder bilden, welcher dann schon bei Temperaturen über 100°C verdampfen würde. Der Wasserdampf würde sich rasch ausdehnen und die Bremsflüssigkeit durch die Leitungen hinweg verdrängen. Beim nächsten Tritt aufs Bremspedal würde man dann nur noch die Gassäule komprimieren und ohne nennenswerte Bremswirkung bis aufs Bodenblech durchtreten.
So senkt sich die Siedetemperatur des gesamten Systems langsam kontinuierlich und ist ein Indikator für den Wassergehalt. Bereits bei einer Siedetemperatur von knapp über 180°C wird die Bremsflüssigkeit gewechselt und dabei das eingedrungene und damit verbunden Wasser vollständig entfernt. Die Bremse bleibt zuverlässig voll funktionstüchtig.
Wechselintervalle und Wartung
Wann sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?
Die Hersteller geben Wechselintervalle von 1 bis 3 Jahren vor, abhängig von der Art der Bremsflüssigkeit und den Einsatzbedingungen des Fahrzeugs.
Indikatoren für eine fällige Erneuerung:
- Weiches oder schwammiges Bremspedal
- Längere Bremswege
- Verfärbte oder trübe Bremsflüssigkeit
- Messung mit einem Bremsflüssigkeitstester (Wassergehalt über 3%)
- Siedepunkt der Bremsflüssigkeit unter der spezifischen Mindesttemperatur (z. B. 180°C bei DOT4)
Zu beachten ist, das eine zuverlässige Prüfung einer Glykol-basierten Bremsflüssigkeit ausschließlich mit einem Siedetemperaturtester erfolgen kann!
Bremsflüssigkeitswechsel – Schritt für Schritt
Werkzeug & Material:
✔ Frische Bremsflüssigkeit der richtigen DOT-Klasse
✔ Bremsenentlüftungsgerät oder Handpumpe
✔ Ringschlüssel für die Entlüfternippel
✔ Auffangbehälter für die alte Flüssigkeit
Ablauf:
- Alte Bremsflüssigkeit absaugen
- Den Vorratsbehälter im Motorraum öffnen und die alte Flüssigkeit absaugen.
- Neue Bremsflüssigkeit einfüllen
- Den Behälter mit frischer Bremsflüssigkeit bis zur Markierung auffüllen.
- Bremsen entlüften (Radweise, beginnend mit dem am weitesten entfernten Rad)
- Entlüfterschraube öffnen und Flüssigkeit mit einem Entlüftungsgerät oder per Pumpen am Pedal herausdrücken.
- Darauf achten, dass keine Luft ins System gelangt.
- Vorgang für alle Räder wiederholen
- Jedes Rad so lange entlüften, bis nur noch klare, blasenfreie Bremsflüssigkeit austritt.
- Flüssigkeitsstand überprüfen und Pedaldruck testen
- Behälter auf Max.-Markierung auffüllen.
- Bremspedal mehrmals betätigen, um ein stabiles Bremsgefühl zu erhalten.
- Probefahrt machen
- Vorsichtig anfahren und mehrere Bremsversuche durchführen.
Häufige Fehler und Tipps
✖ Falsche Bremsflüssigkeit verwenden → Immer die vom Hersteller vorgeschriebene DOT-Klasse nehmen.
✖ Entlüftungsreihenfolge nicht beachten → Immer beim entferntesten Rad beginnen.
✖ Bremsflüssigkeit zu lange im System lassen → Wasseraufnahme kann zu Bremsversagen führen.
✖ Bremspedal zu schnell pumpen → Kann Luft ins System ziehen.
Fazit
Bremsflüssigkeit ist ein oft unterschätzter, aber kritischer Bestandteil der Fahrzeugbremse. Ihre regelmäßige Wartung und der rechtzeitige Wechsel sorgen für eine gleichbleibend hohe Bremsleistung und Sicherheit.
Merke:
✅ DOT-Klasse beachten
✅ Alle 1-3 Jahre wechseln
✅ Bremsen nach dem Wechsel entlüften
✅ Keine Silikon- und Glykolflüssigkeiten mischen
Durch die richtige Pflege der Bremsflüssigkeit bleibt dein Bremssystem zuverlässig und leistungsfähig – ein entscheidender Faktor für die Fahrsicherheit!