Dexter unsere treue Seele – Ein Nachruf

Wenn die Eltern sterben, ist man Waisenkind. Stirbt der Partner ist man Wittwe(r). Stirbt das Kind, weiß ohnehin kaum einer wie er mit einem noch umgehen soll, so grausam ist das…

Doch stirbt der Hund, heißt es nur „Tja, er war ja auch schon alt. Ist doch nur ein Hund. Stell dich doch nicht so an.“

Ich habe selbst nie geglaubt dass mich das so treffen würde. Vielleicht liegt es ja an mir? Vielleicht empfinde ich da ja falsch..? Aber er war mein treuer Weggefährte. Zusammen haben wir den Teutoburger Wald erkundet. Bei Nacht und Nebel, bei Wind und Wetter, Regen Sturm und Schnee. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen und er sich auf mich. Wäre ein Wolf aufgetaucht, ich wäre ohne zu zögern mit bloßen Händen dazwischen gegangen. Und er hätte das gleiche auch für mich getan.

Er war zwar nur ein Hund, aber ich habe ihn aufgezogen von ganz klein auf. Unserer Waden waren voller blauer Flecken, hat er doch als Welpe immer in die Hosenbeine gezwickt. Oft haben wir ihn verflucht, weil er mit seinem Dickkopf fortlaufend jeden Mülleimer ausgeleert hat, der ihm unter die Schnauze kam. Tagelang habe ich mit ihm auf der alten Couch im Gartenhaus zugebracht, damit er vom Kindergeschrei Ruhe bekommt. Er war ein aufmerksamer und lehrsamer Charakter, wenngleich auch mit einem sehr eigenen Kopf. Wenn man ihn rief, konnte man sich darauf verlassen das er kam, zumindest wenn auch er entschied das es dringend war. Aber wenn es darauf ankam, kam er stets aufs Wort herbei gewetzt.

12 Jahre, das erscheint doch so lange zu sein. Und ja, Aussies werden oft nur 8 bis 10, haben sie gesagt. Aber doch nicht unser. Der wird bestimmt 15 oder so, denkt man sich. Und überhaupt, auch 10 Jahre sind doch so lange hin. Es kommt ja nicht plötzlich, man weiß ja worauf man sich einstellen muss, habe ich gedacht. Die Zeit währt ewig, so empfindet man doch stets. Doch dann kommen die ersten Schwächephasen. Das Aufstehen wird mühsamer, die Bewegungen träger. Die Hüfte versagt nach und nach.

Ach, der erholt sich schon wieder, denkt man. Und ja, man peppelt ihn immer wieder wieder auf. Tabletten gegen das Hüftleiden, sensitiv Futter für eine bessere Verdauung. Aber egal was man auch macht. Die Schwächephasen werden länger und stärker. Und irgendwann kommt der Punkt wo er das Fressen ganz einstellt. Du versuchst es mit allem. Selbst Wiener Würstchen, Pommes, ja gar Schokolade, obwohl das absolut nichts für Hunde ist. Aber an diesem Punkt ist es dir ach egal. Du betest darum das er wieder irgendwas frisst. Aber du kannst nur zusehen wie dein Schützling, dein jahrelanger treuer Begleiter, immer schwächer und schwächer wird. Die Treppe in Garten kommt er schon lange nicht mehr alleine hoch und runter. Also trägst du ihn. Den Rest des Tages liegt er nur noch auf seinem Platz. Du möchtest irgendwas für ihn tun damit es ihm wieder gut geht. Aber es hilft alles nichts. Er wird schwächer und schwächer und du kannst nur tatenlos zusehen.

Du weißt ganz genau was kommt. Du wünschst dir so sehr es wäre anders, aber es geht zu ende. Bleibt nur die Frage, lässt du ihn weiter leiden oder erlöst ihn um seine letzten wenigen Tage in denen er auf seinen Tod gewartet und nicht verstanden hätte was mit ihm los ist. Warum er nicht mehr laufen kann, warum er keinen Bissen mehr runter kriegt und warum er jetzt die Treppe, die er sein gesamtes Leben lang gelaufen ist, nun nicht mehr noch kommt. Warum seine Beine versagen.

Es kommt dir vor als wäre es gestern gewesen, da lag dieser kleine Wollknäul mit verklebten Augen auf deinem Schoß. Und nun sitzt du neben ihm auf dem Boden, während die Tierärztin ihm den Zugang legt und ihn vorbereitend auf das Ende in Vollnarkose versetzt. Sein Kopf sinkt in deine Handfläche, die Augen gehen ein letztes mal zu, während du ihm den Nacken streichelst. Dein Schützling. Dein bester Freund und treuester Weggefährte. Egal wie lange die Zeit auch anfangs schien, am Ende war sie doch viel zu kurz. Du glaubst du bist darauf vorbereitet weil du ja weißt das es kommt? Du glaubst, du bist eh ein harter Brocken und das haut dich nicht um? Falsch gedacht! Er, der volles Vertrauen in dich hat und selbst jetzt noch sein Leben in deine Hände legt, macht ein letztes Mal die Augen zu. Du möchtest einfach nur schreien. Möchtest den Tierarzt mit der Mistgabel aus dem Haus jagen! Aber du weißt es hat doch keinen Sinn. Dieses ist das Ende und keine kann es ändern. Du kannst nur noch entscheiden ob die Qual noch Tage oder vielleicht Wochen so weiter geht, oder er nun friedlich ein letztes Mal einschläft.

Alles was bleibt ist Schmerz und die Erinnerung an eine Zeit die nie wieder kommt. Was wüdest du nur darum geben ein letztes Mal mit ihm spazieren zu gehen. Einmal die Zeit zurück drehen und dann so vieles anders machen. So vieles besser machen. So viel öfter mit ihm wandern gehen, den Teuto unsicher machen. Aber das geht nicht. Alles was du jetzt verpasst hast, ist und bleibt verpasst.

Die Zeit ist ne Bitch! Sie schreitet unaufhaltsam voran, egal was du machst. Dabei nimmt sie dir nach und nach alles was dir lieb und teuer ist. Am Ende bist du selbst dran. Doch wenn es dann soweit ist, ist es dir auch egal. Was sollst du noch in einer leeren Welt, wo du alles verloren hast, das dir einmal etwas bedeutet hat.

Dexter, meine treue Seele, ich werde dich nie vergessen! Die Zeiten, die wir miteinander hatten, werden immer ein Platz in meinem Herzen behalten. Die nehme ich mit ins Grab. Und für die vielen verpasssten Momente werde ich mich selbst auf ewig hassen. Auch das wird auf ewig ein Teil von mir bleiben.

Viele Außenstehende sagen vielleicht „es war doch nur ein Hund“. Aber du warst ein Teil von uns. Du warst dabei wie unsere Kinder aufwuchsen. Lagst morgens an meiner Seite neben unserem Bett. Warst immer da. Und jetzt plötzlich bist du weg. Für uns warst du mehr als nur ein Hund, du Warst ein Teil unseres Lebens. Dieser Teil wurde uns genommen und von nun an wird nichts mehr sein wie es einmal war.

Ruhe in Frieden, mein Freund! Unsere treue Seele! Du wirst uns für immer schmerzlich fehlen!

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